Liebe Leser,

heute am 16. Oktober 2011 möchte ich mal was loslassen, damit ich nicht ersticke.

Hier ist ein Blog, den müsst ihr lesen, denn es ist der Hohn hoch drei.

Da wird zu einer Veranstaltung eingeladen und wieder ausgeladen. Ne, nicht in Kleinkummersdorf mit 300 lebenden Einwohnern ohne Tiere gerechnet, sondern in Berlin in den Bundestag zum Thema „Teilhabe“. Vorgeschoben wird hier das Risiko im Falle eines Brandes, eines Erdbebens, eines Taifuns.... oder wie???

DIE SICHERHEIT ist der Verursacher!!! Jawohl!!!

Ich habe gedacht, das ist nicht wahr, als ich es in den Nachrichten mitbekommen habe. Christiane Link hat es in ihrem Blog beschrieben. Diesen zu lesen ist ein MUSS ICH TUN.

 

 http://www.behindertenparkplatz.de/ 

 

Ich bin der Meinung, dass dies zum Anlass genommen werden sollte, nun endlich auf die Barrikaden zu gehen. Mensch Leutzzzzz, es gibt sechs Millionen Menschen mit Behinderungen in Deutschland und mehr als das Doppelte dazu als Mensch, der einen Menschen mit Behinderungen in der Familie hat, pflegt oder sonst wie betroffen ist von dem Menschen mit Behinderungen ( Es lachen nicht alle so wie wir an unseren MS-Gruppenabenden).

Haben die Politiker Angst vor der Meinung der Menschen mit Behinderungen?

Ist Deutschland denn nicht in der Lage, allen Menschen eine Inklusion zu ermöglichen? Andere Länder machen es uns seit Jahrzehnten vor, nur die Verantwortlichen in unseren Kreisen kommen einfach nicht in die Pötte.

Ich habe große Einbußen in meinem Umkreis, ich komme nicht überall dort hin, wo ein Mensch ohne Behinderungen hinkommt. Oder ich sitze in der Ecke ganz unten im Theater und breche mir fast den Hals, um wenigstens die Hälfte des Bühnenbildes in mich aufnehmen zu können. Aktuell würde ich gerne an Kursen der VHS teilnehmen, aber in unserem Umkreis sind leider die Veranstaltungsorte nicht alle (oder fast alle nicht?) für Menschen im Rollstuhl teilnehmend geeignet. Das bedeutet für mich den Teil-Ausschluss aus der Gesellschaft.

Nun sitze ich in einem Ort, aus dem ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht heraus komme. Aber ich habe nicht die Möglichkeit, dorthin zu ziehen, wo ich gerne leben möchte, weil es dort keine Wohnung gibt, die mich mit meinem Rollstuhl aufnimmt.

Ja, aber es werden genügend ja Seniorenresidenzen gebaut, denn (bereits 23 % in meinem jetzigen Wohn-Ort) Senioren wird es in der Zukunft immer mehr geben. Die Senioren leben jetzt auch länger. Aber es kommen irgendwann die Gebrechen, Behinderungen dazu. Eine Seniorenwohnung hat ca. 50 – 60 qm² und wenn man sehr spärlich möbliert, passt zu dem/der PartnerIn dann auch ein Rollstuhl mit hinein. Diese Wohnungen kosten mehr als eine Wohnung einer Baugesellschaft. Aber ich lebe mit Gleichaltrigen zusammen ohne Kinderlärm, ganz ruhig. Hey, wer wird denn jetzt aufmüpfen und behaupten, er möge aber so nicht alt werden? ....ups, bin ganz ehrlich - ich nicht!!!

In Speyer gibt es ein Projekt der Nachbarschaftshilfe, aber hilft es mir auch, selbstständig zu bleiben wenn ich die Wohnung nicht mehr verlassen kann, weil Treppen mich hindern, Badewannen nicht mehr erstiegen werden können.

Speyer hat das Altenheim am Adenauerpark, das Haus am Germansberg, das Haus Bernhardinum, das Seniorenzentrum Storchenpark, das Seniorenhaus in der Burgstraße, das Salierstift, Seniorenstift Bürgerhospital am Mausbergweg und das betreute Wohnen am Mausbergweg, das ist doch genug oder???

Wo aber kann ich wohnen inmitten der „Normalität“?

Bielefeld, Freiburg, sogar in der Nähe das kleine Worms hat Projekte des gemeinschaftlichen Wohnen mit Jung und Alt.

Professor Dr. Dr. Klaus Dörner hat ein super Buch geschrieben: Leben und Sterben wo ich hingehöre. Ne, das hat nüscht mit dem Ableben im Alter zu tun. Es zeigt auf, dass ein Wohnen in der Gemeinschaft der Stadt überall möglich ist, wenn die Voraussetzung der Barrierefreiheit gegeben ist. Nicht abgesondert im Seniorenstift, sondern inmitten des Lebens. Nicht im Heim, sondern in Wohngemeinschaften leben. Dörner hat sein Heim in Gütersloh für Menschen mit geistigen Behinderungen ausquartiert: 437 Menschen leben jetzt unter uns, die vorher nur das Heim kannten. In Dänemark wird seit 1980 kein Heim mehr gebaut!

Ich weiß, dass es eine Vielzahl von verschiedenen Angeboten geben muss, damit sich jeder sein Leben in der Gemeinschaft verwirklichen kann.

Warum gibt es dies nicht in Speyer?

Angefangen von Straßen in den Städten, die immer noch mit Barrieren gebaut werden.

Pennyeinfahrt Dudenhofen. Diese Straße wurde 2011 eingeweiht. Ich fahre mit dem Rollstuhl auf der Straße über den Parkplatz bis zum Geschäft, da ich am Ende des Bürgersteigs die über 8 cm hohe Kante nicht runterhüpfen kann. Hoffentlich sehen mich die Autofahrer IMMER.

In Speyer auf der „Hauptstroß“ ist wenigstens ab und zu die Möglichkeit, die Straße zu queren.

Die Geschäfte nutzen den glatten Mittelstreifen der Bürgersteige, damit die Kleiderständer nicht wackelig stehen. Wie ein Rollstuhlfahrer ratternd nahe der Gehirnerschütterung daran vorbei kommt, ist sein „Bier“. Nehmt nur mal die Enge vor den Eiscafe´s wahr. Aber ich bin dennoch froh, denn in Dresden das Kopfsteinplaster ist weitaus schlimmer! Wisst ihr, als die MS-SHG-Speyer ein Cafe´für die Nachmittagsgruppe gesucht haben…….mit Rollstuhlfahrertoilette! Katastrophe!!!

Die meisten Geschäfte haben doch nur eine Stufe...........ups, der Kaufhof ist barrierefrei!??

Finde ich immer jemanden, der mir die Tür öffnet? Ich habe mal morgens etwas laut den Kaufhof befahren, weil mir die zweite Glastür zwischen Anschlag und Rollstuhl hin und her schwang. In Recklinghausen, bei dem ollen alten Gebäude des Karstadts, hat man einen Eingang für Rollstuhlfahrer und Mütter mit Kinderwagen elektrisch ausgestattet, ich war baff. Warum geht das hier nicht? Ob die Postgalerie denn Barriere frei wird?

Fragt mich auch nicht, welche Umwege ich fahren muss, wenn ich mit dem Rollstuhl von Dudenhofen nach Speyer fahren will....an der B 39 entlang kämpfe ich mit Radfahrern und dem Überweg an der Ein- und Ausfahrt zur B 9 mit rasenden Autos....da klopft mein Herz immer bis zum Hals.

Kaufe ich dann an einer Ladentheke ein, werde ich oft von den Mitmenschen wegen meiner kleinen Größe übersehen. Aber wenn es mir dann irgendwann zu bunt wird, lasse ich meine Stimme erschallen: Die Brötchen macht ihnen die Verkäuferin gerne zurecht, wenn sie mich bedient hat, da ich schon etwas länger warte als sie. Oft gibt das beim „Gegenüber rote Birnen“, ich entschuldige mich an dieser Stelle......

Wenn ich schon mal am Aufzeigen bin:

Wie kann ich meinen Arzt, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Zahnarzt, Frauenarzt aussuchen? Wie jeder andere auch? Fragen sich Ottonormalleutzzzzz: Hat DER Stufen oder ist er Barriere frei? Wieder nüscht mit dem freien Wählen!

Wie war das: Die UN Behindertenrechtskonvention wurde im März 2009 ratifiziert und ist geltendes Recht. Wer hat das überhaupt schon mal angewandt? Immerhin war Rheinland-Pfalz das erste Bundesland, dass seinen Aktionsplan dazu veröffentlicht hat.

 

http://www.un-konvention.rlp.de/

 

Leutzzzzzzzzzzzzzzz, jetzt hör ich auf zu jammern, aber mir war mal wieder so. Es gäbe noch weitaus mehr zu berichten, nehmen wir doch mal die Gesundheitsreform.............

Ich denke, die/der eine oder andere hat sich in meinem Bericht wiedergefunden.

P.S. Schaut auch immer mal wieder hier hinein:

 

http://www.kobinet-nachrichten.org/

 

Denkt zwischendrin auch an die Menschen, die entweder schlecht oder gar nicht sehen und an die Menschen, die schlecht oder gar nicht hören.