Spuren

Für meine beste Freundin Heidi.

Egmont an Zee (Holland)

November 2001

Mein erster Urlaub nach

der Diagnose MS

 

 

 

 

 

 

Es ist ein sonniger Tag an der Nordsee.

Sanft weht der Wind.

Er spielt zärtlich mit deinen Haaren.

Barfuss gehst du den Strand entlang.

Hier gibt es wenig Touristen.

Du bist allein.

Eine Möwe begleitet dich trippelnd über den Strand.

Du drehst dich langsam um und gehst der Möwe entgegen.

Sie schaut dich erstaunt an.

Langsam beginnt sie einen Bogen zu trippeln.

Du siehst ihre Spuren im Sand.

Gleichmäßig ziehen sie sich hin.

Eine vorwitzige Welle versucht die Spuren zu verwischen.

Sie schafft es.

Jedoch kommen andere Spuren zum Vorschein.

Eine dicke und ein paar kleine Muscheln liegen frei.

Die Welle zieht drum herum etwas Sand mit sich.

Wie kleine Kanäle ziehen sich kleine Rillen bis ins Wasser.

Langsam gehst du weiter.

Nun schaut etwas brauner Seetang aus dem Sand heraus .Durch das Nordseewasser glänzt er richtig.

Schau ihn dir genau an.

Krusselig liegt er da.

Etwas Seeschaum zwischendrin.

Eine Muschel in ihm versteckt.

Dein Blick geht nun über das Wasser.

Welche Farbe hat die See?

Welche Farbe hat der Himmel?

Dein Blick geht zurück zum Strand.

Welche Farbe hat dieser.

Du schaust hinunter an dir und siehst deine Füße.

Welche Farbe haben sie?

Empfindest du alle Farben nicht sehr harmonisch?

Deine Füße gehören auch zu denen, welche Spuren hinterlassen.

Dein Blick geht nun zurück den Weg,  auf den du gegangen bist.

Eine starke Spur hast du hinterlassen.

Auch wenn die Wellen sie wieder fortspülen, du kannst immer wieder neue Spuren machen.

Mit dem großen Zeh kannst du in den Sand schreiben.

Mit allen Zehen kannst du Muster machen.

Die Ferse kann sich tief in den Sand bohren.

Wechsel ruhig mal die Füße, nimm nun den anderen.

Versuche deine Aktionen mit deinen Füßen im Sand zu erspüren.

Auch wenn du nur auf einem Bein stehst, fühlst du dich getragen.

Geh nun bis zum Knöchel ins Wasser und spüre.

Das Wasser umschmeichelt dich.

Jedoch versucht es dir den Boden zu klauen.

Der Sand unter deinen Füßen wird weggespült.

Du hast aber die Macht, den Fuß wieder mit festem Boden unter sich zu versehen.

Du hebst den Fuß und stellst ihn wieder hin.

Das Spiel gefällt dir.

Du bist auf der sicheren Seite.

Dir geht es gut.

Lächelnd gehst du weiter den Strand entlang.